Was man alles auf einem Pfingstlager lernen kann…

Erschienen am 21. Juni 2019 in Stamm

Clara Schmitz

Pfadfinderleiterin und Journalistin des Stammes

 

Jetzt sind wir schon einige Tage wieder in Freiburg, doch das Lager klingt noch nach. Die Woche ist super schnell verflogen, aber in dem Moment, als wir mit dem Zug in den Freiburger Hauptbahnhof einfuhren, fühlte es sich an, als wären wir eine halbe Ewigkeit weg gewesen. So viel ist in der Zwischenzeit passiert, so viel haben wir gelernt und so viele neue Erfahrungen haben wir gemacht. Das begann schon am ersten Tag, an dem wir uns gegenseitig teilweise erst einmal kennen gelernt haben. Beim Aufbau der Zelte hat sicherlich der Großteil von uns noch einige neue Techniken gelernt. Jeden Abend wurde die Geschichte von Alice im Wunderland ein bisschen weiter vorgelesen. Direkt am zweiten Tag folgten wir selber dem weißen Kaninchen in das Wunderland. Dort lernten wir die mystische Raupe, die verrückte Teegesellschaft, die Weiße Königin und einen verrückten Dodo kennen. Die Rote Königin ließ sich zwar nicht blicken, dafür aber einer ihrer Kartensoldaten. Wir erfuhren, dass das Wunderland in großer Gefahr schwebt, uns wurde aber noch nicht verraten, von was für einer Gefahr die Sprache war. Die verrückten Bewohner des Landes nahmen uns herzlich auf, da sie sich von uns Hilfe erhofften. Später konnten wir in den Workshops vieles unterschiedliches lernen. Es gab eine Stunde Pilates und Meditation, es wurde ein Lagertor mit riesigem Bannermast gebaut und beim Grußkartenbasteln wurden wir daran erinnert, wie wichtig es ist, Danke zu sagen. Beim Workshop zum Thema Selbstbewusstsein haben wir einiges positives über uns selbst gelernt.

Als wir Villingen dienstags einen Besuch abstatteten, lernten wir in der Rallye einiges über die Stadt, aber auch beispielsweise, wie groß Niklas in Bananen ist (9 bis 11 Bananen, je nach dem, mit welcher Banane man misst). Abends war das Stufenkochen geplant. Für den Einkauf der Lebensmittel nahm sich jede Stufe einer anderen Herausforderung an: Die Einen kauften nur fairtrade ein, die anderen nur bio oder versuchten, Plastik zu vermeiden. Wir lernten, dass es schwer ist, sich in der Gruppe zu einigen und dass man einige Mühen auf sich nehmen muss, wenn man seine Vorsätze einhalten will. Die Juffis sind sogar einen Umweg von zwei Kilometern gelaufen, nur um in einem anderen Laden noch einmal nach Zutaten zu suchen, die sie im ersten nicht als bio-Produkte gefunden hatten. Am folgenden Tag, dem Stufentag, lernten wir wieder, wie schwer es sein kann, sich auf einander einzulassen, und für einander Kompromisse einzugehen. Die Juffis und Pfadis wurden von ihren Leitern beim sogenannten Aussetzen sogar damit alleine gelassen, kamen aber allesamt gut gelaunt wieder zurück auf den Platz. Und das, obwohl Niklas ihren Aussagen nach ziemlich hämisch gegrinst haben soll, als die Juffi-Leiter sich einfach aus dem Staub machten. Die Wölflinge nahmen sich die Zeit, schon einmal über ihr Versprechen nach zu denken und lernten außerdem, dass Duschen gar nicht sooo schlimm ist.

Am folgenden Tag gingen wir mit dem gesamten Stamm wandern. Vielleicht hat der Ein oder Andere dabei gelernt, dass wandern nicht immer ätzend ist, und dass es richtig erholsam sein kann, einfach durch den Wald zu laufen mit nichts als dem Weg als Ziel. Bei kleinen Übungen zwischendurch lernten wir, dass es möglich ist, mit dem ganzen Stamm eine Strecke zugehen, ohne zusprechen. Auch war es erstaunlich einfach, an der Hand eines Mitpfadfinders, blind zu wandern.

Abends stand dann das Versprechen bevor. Diejenigen, die noch nie bei einem Pfadfinderversprechen dabei gewesen waren, lernten die ganz besondere Stimmung kennen, die es so gespannt und festlich höchstens noch an Weihnachten gibt. Man wandert still durch die Dunkelheit, bekommt eine Gänsehaut beim Anblick der Bäume die vom Feuerschein der Fackeln beleuchtet werden. Es ist ein leichtes, die Bedeutsamkeit der Stunde zuerkennen. Als alle zum Platz zurück gekehrt waren, verwandelte sich die feierliche Stimmung in ausgelassene Freude. Wölflingsgesichter strahlten, Juffis zeigten stolz ihre neuen, blauen Halstücher.

Am nächsten Tag statteten wir dem Wunderland einen weiteren Besuch ab. Hier ging es heiß her: Der Jabberwocky, das Schoßmonster der Roten Königin, bedrohte das gesamte Land. In einem Spiel namens Abenteuer XXL royal down, down the rabbit hole mussten wir ein Schwert verdienen und viele Schlüssel sammeln, mit denen wir durch das Portal zum Jabberwocky gelangen konnten und ihn dort ein für alle mal besiegen konnten. So konnten wir das Wunderland retten!

Abends, bei der Nachtwanderung lernten wir, dass die gruseligen Gestalten im Wald eigentlich nur die Leiter waren, die versuchten uns zu erschrecken. Ein bisschen unheimlich war es in der Dunkelheit trotzdem…

An den nächsten zwei Tagen mussten wir lernen, dass das Ende ganz schön schnell kommen kann. Wir begannen bereits am Samstag, einige Zelte abzubauen. Am bunten Abend führten die Stufen unterschiedliche Sachen, Theaterstücke und einen Zirkus vor. Außerdem wurde der große Leiter vs Kinder Wettkampf ausgeführt. An dieser Stelle darf einmal kurz erwähnt werden, dass die Leiter den fairen Kampf gewannen;).

Am Sonntag bauten wir noch die restlichen Zelte ab. Nach einer unkomplizierten Bahnfahrt räumten noch alle gemeinsam die Zelte wieder ins Materiallager. Dabei lernten wir, dass die meisten Aufgaben super schnell gehen, wenn jeder mit anpackt. Pauline lernte an diesem Tag außerdem, wie es sich anfühlt, 16 zu sein, und das mit einer großen Freundesgruppe um sie herum, die sich mit ihr freute.

Abgesehen von dem, was ich aufschreiben konnte, haben wir noch unzählige Erfahrungen mehr gemacht und uns gegenseitig gut kennengelernt. Es fühlt sich fast seltsam an, wieder in den Alltag zurück zukehren. Aber wir haben einiges mitgenommen. Vor allem fällt es nach dem Lager leichter, öfter an das wesentliche im Leben zu denken. Und dazu gehört unter anderem folgendes aus einem unserer Lieblingslieder: „Und wer nie an seine Freunde denkt, und auch nie den roten Wein ausschenkt, der soll bleiben wo er ist. Draußen weht gewiss ein kalter Wind, doch die Feuer nicht erloschen sind, für uns Sänger wie ihr wisst.“

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